Reiner Hellbrück
7. März 2011

Offener Brief an den Personalrat der Kreiskrankenhäuser

Betreff: Artikel in der Main-Post vom 03. März 2011

Sehr geehrter Herr Christ, sehr geehrter Herr Kimmel,

niemand bestreitet, daß ’Ihre’ Beschäftigten viele Opfer gebracht haben. Es ist in höchstem Maße anzuerkennen, wie Sie sich für ’Ihre’ Beschäftigten einsetzen. Kein anderer Personal- oder Betriebsrat in Main-Spessart gibt so viele Stellungnahmen zu Gunsten ’seiner’ Beschäftigten ab wie Sie. Sie haben viele schwierige Zeiten erfolgreich gemeistert. Darauf können Sie stolz sein.

Ihnen ist die Aussage, daß Krankenhäuser nicht zum Wohle der Beschäftigten betrieben werden, sondern zum Wohle von uns allen, unklar. Deswegen will ich ihn Ihnen gerne erläutern. Wir schlagen eine Umstrukturierung innerhalb des Kreises vor, wodurch im Krankenhaussektor Arbeitsplätze wegfallen. Gleichzeitig wollen wir aber im Bereich der Senioren darauf hinwirken, daß das Angebot verbessert wird, d.h. neue Arbeitsplätze entstehen: niemand muß Arbeitslosigkeit fürchten.

Ihre Stellungnahme haben Sie offenbar nur der Presse gegenüber abgegeben, mir jedenfalls liegt nichts vor. Dem Presseartikel entnehme ich jedoch, daß Sie sich gegen eine solche Umstrukturierung zum Wohle aller widersetzen: warum nur? Was ist so schlimm daran, daß man eine andere Tätigkeit übernimmt? Viele andere Arbeitnehmer müssen, um eine neue Arbeitsstelle zu bekommen, viele Kilometer pendeln oder mit ihrer Familie umziehen.

Wenn in einem kleinen Betrieb einige wenige entlassen und sogar arbeitslos werden, so schert dies niemanden und erscheint auch nicht in der Presse. Denn hierdurch läßt sich die Auflage nicht erhöhen. An dieser Situation ändert sich im allgemeinen selbst dann nichts, wenn viele kleine Betriebe gute Mitarbeiter entlassen, die möglicherweise über Jahre hinweg große Opfer gebracht haben. Kommt es in einem großen Unternehmen jedoch zu einer Umstrukturierung oder Entlassungen, so ist das Geschrei groß.

Mir drängt sich der Verdacht auf, daß es sich hier genauso verhält. Sie vertreten die Beschäftigten eines Großbetriebes, der zudem in öffentlicher Hand ist. Man könnte meinen, Sie nutzen diese Position, um für ‚Ihre‘ Beschäftigten das größtmögliche herauszuholen. Das ist auch völlig in Ordnung so: das ist Ihre Aufgabe. Darüberhinaus könnte man aber auch den Eindruck gewinnen, Sie wähnen sich in einer völlig falschen Rolle.

So sprechen Sie in Ihrer Stellungnahme von „unseren Beschäftigten“, also so, als ob Sie in der Arbeitgeberposition wären. Sollten Sie nicht besser von Ihren Kolleginnen und Kollegen sprechen? Verstärkt wird dieser Eindruck durch die Redewendung „unsere Klinikleitung“, eine Aussage, die zumindest zweideutig ist. Ihre Stellungnahmen werden zur Kenntnis genommen, weil Sie über die Stimmen Ihrer Kolleginnen und Kollegen bei den kommenden Kommunalwahlen das berühmte ‚Zünglein an der Waage’ sein können.

Deutlich läßt sich Ihr Einfluß an dem Verhalten des Landrates ablesen. Er blickt sorgenvoll in die Zukunft und sieht schwere Zeiten auf die Krankenhäuser zukommen. Erst dann, wenn ganz offensichtlich keine andere Alternative mehr bleibt, wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, wird an dem eherenen Grundsatz gerüttelt: wir halten an allen drei Krankenhausstandorten fest. Die Kreisräte verhalten sich nicht erkennbar anders.

Sie haben völlig recht: die FDP ist auf Kreisebene eher unbedeutend. Dennoch bleibt es unser Anliegen, für die Interessen der Bevölkerung, gerade was die Krankenhäuser und die Versorgung der Senioren betrifft, einzutreten. Wir sind auch dafür, daß die Krankenhäuser in kommunaler Hand bleiben. Längst habe ich die Entscheidung getroffen, nicht mehr als Landrat zu kandidieren. Die letzte Kandidatur diente vornehmlich dem Zweck, als Partei wahrgenommen zu werden: ich danke allen, die mich gewählt haben, obwohl eine Aussicht auf Erfolg nicht gegeben war. Der jetzige sitzt das Problem offensichtlich aus. Denn er hält es nicht für nötig, sich überhaupt zu Wort zu melden – und dies gilt auch für andere.

Mit freundlichen Grüßen
gez. Reiner Hellbrück


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