25. Februar 2011

Ausrichtung am Bedarf unumgänglich

Der Altersdurchschnitt der Bevölkerung steigt, insbesondere im Flächenkreis Main-Spessart, und die Weichen wurden auf Bundesebene sowohl von der Rot-Grünen wie der Großen Koalition auf ein Zurückfahren der Anzahl an Krankenhausbetten gestellt; die jetzige Schwarz-Gelbe Bundesregierung hat hieran nichts grundlegend geändert. Dennoch wollen alle anderen Parteien die alten Strukturen unverändert lassen, die jedoch über kurz oder lang nicht zu halten sind. So wurde jüngst wieder einmal einmütig verkündet, man halte an allen drei Kreiskrankenhäusern fest (Main-Post vom 11. Februar 2011, Seite 28).

Dabei gilt es jetzt, Mittel aus der Akutversorgung in die Pflege umzuleiten. Der Kreis muß sicherstellen, daß Pflege in der häuslichen Umgebung möglich ist und genügend Plätze in Altenheimen zur Verfügung stehen. Der Bedarf ändert sich und die finanziellen Mittel müssen entsprechend umgeschichtet werden. Ein Festhalten an drei Krankenhausstandorten verhindert jedoch die nötige Umstrukturierung.

Denn einer der größten Kostenblöcke sind die Fixkosten, also Gebäude und deren Ausstattung mit Hoteldienstleistungen und medizinischen Einrichtungen. Hinzu kommen sprungfixe Kosten wie Heizungskosten und Personalkosten. Sie könnten durch eine Verringerung der Anzahl der Standorte drastisch reduziert werden. Die Gefahr des Schreibens roter Zahlen würde so reduziert und es würden zusätzliche Mittel für den Pflegebereich frei.

Durch den Wegfall eines Standortes wird die Notfallversorgung kaum berührt. Denn Rettungsfahrzeuge werden nicht nur an Krankenhäusern bereitgehalten, sondern überall dort, wo Bedarf besteht. Rettungswagen fahren nicht einfach das nächstgelegene Krankenhaus an, sondern dies geschieht nach Bedarf und verfügbarer Krankenhauskapazität.

Die medizinische Versorgung wird durch eine Umstrukturierung nicht verschlechtert, wie dies manche glauben machen wollen. Denn der überwiegende Teil der Krankenhausbehandlung ist planbar. Patienten wollen nicht nur versorgt werden, sondern sie möchten sich in möglichst guten Händen wissen. Genau aus diesem Grund fährt mancher an unseren Kreiskrankenhäusern vorbei, um sich in einem anderen behandeln zu lassen. Auch die Einrichtung eines Medizinischen Versorgungszentrums in Marktheidenfeld, das vor allem der Einweisung von Patienten nach Karlstadt dient, hat an dieser Situation nichts geändert (siehe auch unsere Pressemitteilung ’Einweisungsschleuse eröffnet”).

Aus Sicht der Patienten und ihrer Angehörigen ist vor allem wichtig, daß die Notfallversorgung funktioniert und Angehörige ihre Kranken in dem Krankenhaus ihrer Wahl besuchen können. Hierzu ist gegebenenfalls eine Anpassung des Öffentlichen Personennahverkehrs nötig. Doch dies ist eh eine nimmer endende Baustelle; durch eine Verringerung der Anzahl der Krankenhausstandorte kommt lediglich eine neue Facette hinzu.

Der Bevölkerung ist besser gedient, wenn sich die Kreiskrankenhäuser auf einige wenige Bereiche spezialisieren, für die im Kreis auch wirklich eine Nachfrage besteht. Über eine Steigerung der Fallzahlen kann in einigen Bereichen hierüber zum Wohle aller gar eine Qualitätssteigerung erzielt werden.

Daß durch eine Verringerung der Anzahl an Krankenhausstandorten Arbeitsplätze in der Akutversorgung wegfallen ist zwar richtig, doch dies ist nur die eine Seite der Medaille. Die beschriebene Umstrukturierung führt andererseits dazu, daß neue Arbeitsplätze im Pflegebereich geschaffen werden. Durch die Änderung im Altersaufbau der Bevölkerung werden so tendenzmäßig mehr Arbeitsplätze geschaffen als abgebaut. Schließlich sollte man auch daran denken, daß die Krankenhäuser nicht zum Wohle der Beschäftigten betrieben werden: sie dienen zum Wohle von uns allen.

In jedem Fall setzt sich die FDP Main-Spessart dafür ein, daß die Kreiskrankenhäuser in öffentlicher Hand bleiben. Zu erwartende Defizite im Krankenhausbereich sollten mit anderen Worten nicht als Grund dafür genutzt werden, daß sie in private Hände übergeben werden. Denn die Gefahr ist zu groß, daß ein privater Betreiber über einen kurzen Zeitraum Gewinne erwirtschaftet, ohne nachhaltig in die Substanz der Krankenhäuser zu investieren. Bei Aufgabe des Geschäftsbetriebes durch den privaten Betreiber käme der Kreis in Zugzwang, heruntergekommene Krankenhäuser für teures Geld zurückzukaufen: das muß verhindert werden.


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